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Turnverein 1890 Mengede e.V.

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Die ersten Jahre des Vereins

Über die ersten Jahre des TV Mengede gibt es nur noch wenige schriftliche Überlieferungen.

Der Verein, im Jahre 1890 als "Turnverein Gut Heil" gegründet, hatte schon bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs eine wechselhafte Entwicklung hinter sich. Eine Beschreibung dieser ersten 25 Jahre fanden wir in den handschriftlichen Aufzeichnungen von Alfons Parucha, der lange Zeit als Oberturnwart fungierte.

Nach den Erinnerungen des damaligen 1. Vorsitzenden Johann Kerka und damals offensichtlich noch vorhandenen Dokumenten hat Parucha (vermutlich um das Jahr 1935) die Wirren um Niedergang und Wachsen seines Vereins in einem uns vorliegenden Aufsatz niedergeschrieben:

"Im Jahre 1890 erklang auch in Mengede das frische, frohe 'Gut Heil'. Junge Männer schritten zur Gründung eines Turnvereins. Dem Rufe von Heinrich Spitz leisteten eine Reihe von begeisterten Jünglingen Folge, die von dem hohen Wert der Turnerei erfüllt waren.

Aus den Turnern, die sich zur freudigen Zusammenarbeit gemeldet hatten, wurden dann die würdigsten zum Vorstand gewählt.

Es waren: 1. Vorsitzender Karl Jürgens,
  1. Turnwart: Heinrich Spitz,
  2. Turnwart: Werner Franke,
  Kassenwart: W. Neuhaus,
  Schriftführer: F. Bauer, Gerätewart: H. Artmann.

"

Im Monat Juli wurden die Vereinssatzungen zusammengestellt. Über Zweck und Ziel des Vereins ist zu lesen:

"Die Förderung des deutschen Turnens als eines Mittels zur körperlichen und sittlichen Kräftigung und Pflege deutschen Volksbewusstseins und vaterländischer Gesinnung - Politische Parteibestrebungen und Erörterungen konfessioneller Fragen sind ausgeschlossen."

Das erste Vereinslokal war die Gastwirtschaft Heinrich Artmann (jetzt Kocke). Die Gründer des Turnvereins "Gut Heil" hielten sehr wohl auf Ordnung und Pünktlichkeit, bestraften sie doch jeden Turner, der verspätet zu einer Veranstaltung erschien.

So wurde am 6. Juli 1890 festgelegt:

"Diejenigen, die sich einer Versammlung nicht beteiligen, müssen eine Strafe von 0,20 M bezahlen, solche aber, welche zu spät erscheinen, eine Strafe von 0,10 M. Wer am Turnabend zu spät erscheint, zahlt eine Strafe von 0,05 M, wer ohne Entschuldigung oder zwingendem Grund fehlt, zahlt eine Strafe von 0,10 M."

In jedem Versammlungsbericht ist nun bis zum Jahre 1910 die monatliche Summe zu finden, die als Strafe der Vereinskasse zufloss.

Interessant ist auch der Beschluss aus dem Jahre 1894:

"Es werden 100 Statutenbücher bestellt, und soll ein jeder 0,10 M Strafe bezahlen, wer in den Versammlungen sein Statutenbuch nicht mitbringt".

Unter zielsicherer Leitung blühte der Verein zu gesundem Leben empor. Von einigen Mitgliedern wurden kleinere und größere Beträge gestiftet, dass es schon nach kurzer Zeit möglich war, eine Fahne zu erwerben, die dem Verein in frohen und ernsten Stunden voranwehen und die Turner zur Einigkeit ermahnen sollte. Zum Fähnrich wurde Heinrich Brinkmann gewählt.

Wie lebenskräftig der Verein war, geht aus den folgenden Zahlen hervor.

Bis Ende 1891 sind die Namen von 50 Mitgliedern verzeichnet.

Jedes Jahr bringt dann Neuaufnahmen:

1892 (7), 1893 (14), 1894 (16), 1895 (36), 1896 (15), 1897 (7), 1898 (9), 1899 (8), 1900 (23), 1901 (15),
1902 (1), 1903 (9), 1904 (11), 1905 (27), 1906 (10), 1907 (9), 1908 (16), 1909 (11), 1910 (27).

Das Band, das die Turner der damaligen Zeit zusammenhielt, war sehr fest und wurde noch verstärkt durch Veranstaltungen in geselligem Kreis.

Berichte über Rekrutenabschiedskränzchen kehren regelmäßig wieder. Das alte Jahr wurde häufig mit einem Pfefferpotthastessen beschlossen. Die Kassenverhältnisse der damaligen Zeit erlaubten es, ein- oder zweimal im Jahr ein Fässchen Bier aufzulegen, das der Verein bezahlte.

Im Bericht heißt es dann (29. März 1896):

"Zur Besprechung war nichts vorhanden. Es wurde jetzt das Fass Bier verzehrt, welches vorige Versammlung beschlossen wurde. Hiermit wurde die Versammlung geschlossen."

Ebenso konnten Turnerfahrten teilweise aus der Kasse bezahlt werden. Man könnte bald sagen: "Die gute, alte Zeit."

Das Suchen nach dem gangbarsten Weg blieb bei den Turnern rege. In der Generalversammlung am 21. Oktober 1897 faßte man den Entschluss, der Deutschen Turnerschaft beizutreten. Die Angliederung war jedoch nur rein äusserlich. An den Veranstaltungen im Gau und Bezirk hat der Verein sehr wenig teilgenommen. Im Jahre 1900 kam es zu Unstimmigkeiten unter den Mitgliedern. Auf Drängen der Turner, die den Wert der Zugehörigkeit zur D.T. nicht einsehen wollten und konnten, wurde am 9. September 1900 der Austritt derselben beschlossen.

Hierauf begann für den Verein eine Zeit größter Anspannung. Fast jeden Sonntag besuchte der Verein die Turnfeste der Nachbarorte und fand so Fühlung mit den Turngenossen der anderen Vereine. Man turnte zunächst am Barren und Pferd und fügte das Gewichtheben hinzu. Der Sieger erhielt als Anerkennung eine Medaille.

Im Protokollbuch ist zu lesen:

"Die Preise sollen bestehen: 3 am Reck, 3 am Barren, 3 Stemmen, 3 Aufmarsch, zwei Ehrenpreise für die beste Haltung im Festzuge, zwei Ehrenpreise in der Mehrzahl der Mitglieder, einen Aufmarsch mit Freiübungen."

Später wurden noch Ringen, Pferd und Springen hinzugefügt.

Unser Verein hat im Aufmarsch Uhren, Bilder, Trinkhörner und dergl. erworben.

Der eigentliche Turnbetrieb im Jahn'schen Sinne ließ viel zu wünschen übrig.

Einsichtige Männer sahen schon lange voraus, dass es in dieser Weise nicht weitergehen konnte.

Im Jahre 1906 kam es wieder zu Unstimmigkeiten. Eine kleine Anzahl von Mitgliedern erklärte ihren Austritt und gründete einen zweiten Turnverein unter dem Namen "Turnklub 06."

Bis zum Jahre 1934 ist der Verein unter der Losung "Klein, aber fein" seinen Weg gegangen, um sich dann mit "Gut Heil" zum "Turnverein Mengede 1890" zu vereinigen.

Waren die Jahre 1900 - 1906 für den Verein Jahre größter Anspannung, so forderten die Jahre 1907 und 1908 noch größere Opfer an Zeit und Kraft. Vom Dezember 1906 bis Sept. 1908 gehörte der Verein der "Freien Westfälischen Turnvereinigung" und der "Mengeder Amtsturnvereinigung" an.

Die kurze Zusammenfassung eines Vortrags aus dem Jahre 1906 gibt uns Aufschluss über Zweck und Ziel der "Freien Westfälischen Turnvereinigung":

"Bei Festen sollen nicht soviel Preise und solche verschwenderischen Preise beschafft werden. Im Wettkampf sollen nur 2 Geräte Verwendung finden. Es sollen leichte Bedingungen angestrebt werden, dass sämtliche Turner sich beteiligen können. Aufmarsch und Pyramidenbau werden in der Hauptsache gepflegt. Zu den Festen werden nur Vereine des Verbandes zugelassen."

Der Antrag auf Beitritt zur "Freien Westfälischen Turnvereinigung" wurde einstimmig angenommen, nachdem er im April 1904 noch abgelehnt worden war. In der Folgezeit erwies es sich, dass westfälische und Mengeder Turnvereinigung das nicht brachten, was der Verein zur Erreichung seines Zieles benötigte, die starke, tragende Idee.

Der 1. Vorsitzende Johann Kerka drängte in der Versammlung am 6. September 1908 auf Eingliederung in die Deutsche Turnerschaft. Nach längerer Aussprache wurde der Antrag mit Stimmenmehrheit angenommen.

Dieser Tag ist somit von großer Bedeutung für den Verein "Gut Heil". Seit diesem Tage bekennen sich seine Mitglieder zum Turnvater Jahn und zu seiner großen geschlossenen Gefolgschaft.

Am 2. Februar 1909 fand unter großer Teilnahme der Vereine die erste Bezirksvorturnerstunde statt. Am 23. Mai des gleichen Jahres nahm "Gut Heil" am Bezirksfest in Castrop teil.

Waren die Turnstunden und die Übungszeiten auf dem freien Grund der Gasanstalt im Anfang des Jahres 1909 sehr rege besucht, so ließ am Ende des Jahres der Turnbetrieb so stark nach, dass zeitweise nur 3-5 Turner in der Turnstunde waren. Der 1. Turnwart Wilhelm Giese gab als Durchschnittszahl 11 an. Er drohte mit Amtsniederlegung. Die Mitgliederzahl betrug 59, der Verein war dem Zusammenbruch nahe.

Da zeigte es sich wieder, dass eine Gemeinschaft in ihren Führern lebt. Mit größter Anstrengung konnte der 1. Vorsitzende Joh. Kerka die wenigen Mitglieder zusammenhalten. Der Erfolg seiner Bemühungen konnte nicht ausbleiben, das Jahr 1910 bedeutete Aufstieg.

Turnbruder Wilhelm Giese verhandelte mit den Mitgliedern des Ballvereins zwecks Zusammenschlusses beider Vereine. Schon am 16. Januar 1910 konnte eine gemeinschaftliche Versammlung stattfinden, in welcher auch der Zusammenschluss beider Vereine unter dem Namen "Turn- und Ballspielverein" durchgeführt wurde. Wie wenig die finanzielle Seite die Turner zum Zusammenschluss drängte, zeigt der Kassenbestand von 516 M.

Was konnte die treuen Turner von "Gut Heil" dankbarer stimmen, als die Beobachtung in den folgenden Jahren, wie der Verein zahlenmäßig wuchs und wie rege der Anteil war, den die Bürgerschaft nahm und zeigte.

Am 2. Mai 1910 wurde in Mengede die 2. Bezirksvorturnerstunde abgehalten, am 19. Juni fand ein Bezirkswettturnen statt, aus dem Fritz Kerka als Sieger hervorging. Auf dem Kreisfest in Hamm errang Turnbruder H. Steinfort im Sechskampf mit 74 Punkten den 41. Rang.

Im Jahre 1911 turnte der Verein auf dem Gauturnfest in Ahlen mit einer Vereinsriege, die am Reck turnte. Über das Turnen der Jugendriege am Barren unter Leitung des 1. Turnwarts Fritz Kleinjung berichteten in der Gauzeitung Panitz und Kilian:

"Für Turnschüler sehr schwere Übungen, welche sauber und sicher ausgeführt wurden. Die Jugendlichen berechtigen zu den besten Hoffnungen."

Infolge der Mobilmachung 1914 gab es auch im Verein einen Rückschlag, weil eine Anzahl Turnbrüder zur Verteidigung des Vaterlandes zu den Waffen einberufen wurde. Am Ende des Jahres zählte der Verein 22 Mitglieder, es wurde nur noch eine Turnstunde in der Woche abgehalten.

Im Frühjahr 1915 versuchten die wenigen Turner, die zurückgeblieben waren, den Turnbetrieb noch einmal wieder aufleben zu lassen. Aber infolge weiterer Einberufungen von Mitgliedern war auch dieser letzte Versuch ohne Erfolg. Die Turnstunden wurden immer weniger und unregelmäßiger besucht, bis der Turnbetrieb ganz aufhörte. Die Taten der Turner, die ihre Kraft im Kriege hergaben, sind nicht aufgezeichnet, diejenigen aber, die ihr Leben ließen, bleiben uns unvergesslich.