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Turnverein 1890 Mengede e.V.

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1922 : Endlich eine neue Turnhalle

Im Jahre 1922 verschlechterten sich die wirtschaftlichen Zustände mehr und mehr. Am Ende wurden schon die Angaben über das Verhältnis von Dollar zur Mark in Tausenden angegeben. Das Verlangen nach Sport und Turnen wird in Mengede stärker. Die Werbung setzt ein. Ein Sportsmann ruft auf, "Leichtathletik zu betreiben, um mehr aktive Sportler zu gewinnen. Durch den Sport wird die körperliche Gesundheit erhalten."

Den Turnern des T.u.B.V. fehlte noch ein geeigneter Raum, um sich entfalten zu können. Vorläufig spielten sie noch Faustball und betrieben Leichtathletik, drängten aber darauf, daß die Turnhalle am Markt ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben werde. Ab April stand sie endlich laut Beschluß der Gemeindevertretung der Benutzung frei: "Wie eine Erlösung mutet es uns an. Es war bisher keine Gelegenheit, Turnen und Körperpflege zu betreiben", so schrieb ein Turner in der Mengeder Zeitung.

Wer sich jedoch auf die am folgenden Montag stattfindende Turnstunde gefreut hatte, wurde durch die verschlossenen Türen sehr enttäuscht. Man gab die Halle nicht frei. Die Turner bestritten nun einen amüsanten, aber dennoch bestimmten Weg.

Im Teil "Lokale Nachrichten" der Mengeder Zeitung vom 5. April ist zu lesen: "In den gestrigen Abendstunden bewegte sich eine kleine "neuzeitliche Völkerwanderung" von etwa 150 jungen Männern von der verschlossenen Turnhalle aus durch einige Straßen des Ortes Mengede. Es waren Mitglieder der beiden größten hiesigen Turn- und Sportvereine. Die gemeinsame Sorge, "wann können wir endlich in der Turnhalle turnen", hatte sie vereinigt.

Voran trugen sie eine neuzeitliche Dorflaterne und damit haben sie auch das Gemeindeoberhaupt, das sie suchten, gefunden. Sie wollten dort vorstellig werden, warum die Turnhalle, die bereits vor mehreren Wochen laut Beschluß der Gemeindevertretung den Turnvereinen zur Verfügung gestellt worden war, nicht benutzt werden dürfe.

Und der Erfolg der neuzeitlichen Völkerwanderung mit der neuzeitlichen Dorflaterne war, daß das Gemeindeoberhaupt zusagte, daß in der kommenden Gemeinderatssitzung abermals über diesen Punkt verhandelt werden sollte. Und nachdem dann noch ein Vorstandsmitglied des einen Vereins seinen Anhängern zusagte, daß bei Nichtbewilligung der Turnhalle sofort der Beschwerdeweg beschritten würde, trennte sich alles friedlich und wartete der Dinge, die da kommen sollten."

Dem Bericht über die folgende Gemeinderatssitzung vom Donnerstag heißt es: "Nunmehr wurde die Freigabe der Turnhalle in längerer Debatte vor zahlreich erschienenen Zuhörern erörtert. Allgemein wurde zum Ausdruck gebracht, daß die stattgefundenen Demonstrationen wohl keiner Person, auch nicht dem Gemeindevorsteher, vielmehr lediglich den Interessen der Turnsache gegolten habe." Trotz einiger Schwierigkeiten soll auf einstimmigen Beschluß hin, die Halle dem öffentlichen Verkehr übergeben werden.

Am Donnerstag, dem 20. des Monats April beginnen nunmehr bestimmt die Turnstunden in der Halle.